Exzellenzunis 2026: Wer gewinnt, wer leer ausgeht und was der Titel bringt

Mainz gewinnt gemeinsam mit Frankfurt und Darmstadt. Gießen und Marburg gehen diesmal leer aus. Alle Zusagen und Absagen, und was der Exzellenztitel mit Forschung, Geld und einem Studium zu tun hat.

Von Redaktion West-BoteKooperation10 Min. Lesezeit
KI-Symbolbild: Forscherin betrachtet ein Probengefäß neben einem Mikroskop in einem generischen Hochschullabor.

KI-generiert · Herausgeber: Hessen App GmbH

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Mainz ist dabei. Gießen und Marburg nicht. Die Entscheidung über Deutschlands neue Exzellenzstandorte bringt Hochschulen in Hessen und Rheinland-Pfalz sehr unterschiedliche Nachrichten. Für die einen öffnet sich ein zusätzlicher Fördertopf. Die anderen haben viel Arbeit in ihre Bewerbung gesteckt und bekommen diesmal keine Zusage.

Am 2. Oktober 2026 wurden drei einzelne Universitäten und zwei Universitätsverbünde ausgewählt. Zusammen gehören dazu acht Hochschulen. Darunter ist die Johannes Gutenberg-Universität Mainz, kurz JGU. Sie hat gemeinsam mit Frankfurt und Darmstadt gewonnen. Wer also gehört hat, Mainz sei keine Exzellenz-Uni geworden, hat einen wichtigen Teil der Nachricht verpasst: Der erfolgreiche Antrag trägt den Namen Rhein-Main-Universitäten.

Aber was gewinnt man da eigentlich? Einen schicken Titel fürs Briefpapier? Mehr Geld? Bessere Lehrveranstaltungen? Der Titel kann Türen öffnen, und mit ihm kommt zusätzliche Forschungsförderung. Für Studierende und Menschen in der Region lohnt sich trotzdem ein genauer Blick. Eine ausgezeichnete Gesamtstrategie sagt noch nicht, wie gut ein bestimmtes Seminar ist oder wann aus Forschung ein neues Medikament wird.

Fünf Zusagen, sechs Absagen

Elf Bewerbungen standen in dieser neuen Auswahlrunde zur Entscheidung. Fünf waren erfolgreich, sechs nicht. Die Grafik zählt deshalb Bewerbungen. Sie zählt nicht einzelne Hochschulen und auch keine Campusgebäude. Das ist wichtig: Ein gemeinsamer Antrag von drei Universitäten bleibt ein Antrag.

Elf Bewerbungen, fünf Zusagen
5 erfolgreiche Anträge6 nicht ausgewählte Anträge

Grün: erfolgreich. Rot: nicht ausgewählt. Die Hochschulen sind darunter einzeln aufgeführt.

Wer die Hochschulen einzeln zählt, kommt auf acht erfolgreiche und acht nicht ausgewählte Bewerber. Die unterschiedlichen Zahlen entstehen durch die Verbünde. Gerade in Rhein-Main ist das mehr als eine Formalität: Zwei hessische Universitäten und eine rheinland-pfälzische Hochschule treten zusammen an. Die Landesgrenze steht ihrem gemeinsamen Erfolg nicht im Weg.

Diese Hochschulen haben gewonnen

Als einzelne Universitäten wurden ausgewählt:

Hinzu kommen zwei erfolgreiche Verbünde:

  • Rhein-Main-Universitäten: Technische Universität Darmstadt und Goethe-Universität Frankfurt am Main in Hessen sowie Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Rheinland-Pfalz.
  • Ruhr Innovation Lab: Ruhr-Universität Bochum und Technische Universität Dortmund in Nordrhein-Westfalen.

Die Förderung beginnt am 1. Januar 2027. „Neu ausgewählt“ heißt dabei: erfolgreich in dieser Runde. Es heißt nicht, dass jede dieser Hochschulen zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine Exzellenzauszeichnung erhält.

Für Mainz beantwortet die Liste die wichtigste Frage ziemlich klar. Die JGU gehört zum erfolgreichen Rhein-Main-Verbund. Sie hat aber keine separate Zusage als Einzeluniversität bekommen. Auch Frankfurt und Darmstadt werden hier als Mitglieder des gemeinsamen Verbunds geführt. Das ist keine Auszeichnung zweiter Klasse, sondern eine andere Form der Zusammenarbeit innerhalb derselben Förderlinie.

Diese Bewerbungen waren nicht erfolgreich

Vier einzelne Hochschulen bekommen den neuen Status diesmal nicht:

  • Leibniz Universität Hannover in Niedersachsen.
  • Medizinische Hochschule Hannover in Niedersachsen.
  • Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in Schleswig-Holstein.
  • Julius-Maximilians-Universität Würzburg in Bayern.

Auch zwei Verbünde wurden nicht ausgewählt:

  • Northwest Alliance: Universität Bremen und Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in Niedersachsen.
  • Verbund Gießen und Marburg: Justus-Liebig-Universität Gießen und Philipps-Universität Marburg in Hessen.

Für diese Hochschulen ist die Absage ein Rückschlag. Sie können die zusätzliche Förderung ihrer Gesamtstrategie nicht einplanen. Aus der Entscheidung folgt aber nicht, dass dort schlechte Forschung betrieben wird. Schon die Bewerbung setzt starke Forschung voraus. Und ein abgelehnter Gesamtantrag beendet nicht automatisch die Projekte, die aus anderen Programmen Geld erhalten.

Die Technische Hochschule Mittelhessen unterstützt die Zusammenarbeit in Mittelhessen, gehört aber nicht als dritte Universität zum gemeinsamen Antrag von Gießen und Marburg. Auch die Universität Konstanz sollte man nicht einfach in diese Verliererliste schreiben. Sie gehört zur Vorgeschichte des Wettbewerbs, nicht zu den sechs hier nicht ausgewählten Oktober-Bewerbungen.

Warum gute Forschung allein nicht reicht

Bei der Exzellenzstrategie laufen zwei Wettbewerbe nebeneinander. Der eine fördert große Forschungsgruppen zu bestimmten Themen. Der andere schaut auf die Entwicklung einer Universität oder eines Universitätsverbunds insgesamt. Die Namen klingen ähnlich. Die Entscheidungen haben aber unterschiedliche Folgen.

Ein Exzellenzcluster kann etwa Forschende aus mehreren Fächern zusammenbringen, die gemeinsam an einer wissenschaftlichen Frage arbeiten. Dabei geht es um ein bestimmtes Forschungsfeld. Für den Status als Exzellenzuniversität reicht es nicht, auf solche Erfolge zu verweisen. Die Hochschule muss auch erklären, wie sie daraus dauerhaft bessere Bedingungen für Forschung, Zusammenarbeit und wissenschaftliche Karrieren macht.

Gießen und Marburg zeigen, warum diese Unterscheidung wichtig ist. Ihr gemeinsamer Antrag war nicht erfolgreich, obwohl die beiden Universitäten zusammen vier Exzellenzcluster vorweisen können. Die Cluster bleiben starke Forschungsprojekte. Die zusätzliche Unterstützung für die gemeinsame Gesamtstrategie fehlt trotzdem.

Das klingt zunächst widersprüchlich: Erst wird Forschung ausgezeichnet, anschließend gibt es eine Absage. Der Wettbewerb prüft jedoch verschiedene Dinge. Eine herausragende Forschungsgruppe und ein überzeugender Plan für die ganze Universität sind miteinander verbunden, aber nicht dasselbe. Wer das übersieht, macht aus einem komplexen Auswahlverfahren schnell eine vermeintliche Schulnote.

Es geht um Geld, und zwar um viel

Ein Titel allein bezahlt kein Labor und keine Forschungsstelle. Die zusätzliche Förderung macht den Wettbewerb für die Hochschulen deshalb besonders attraktiv. Für die Förderlinie Exzellenzuniversitäten stehen künftig 208 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Bisher waren es 148 Millionen Euro. Das ist ein Plus von 60 Millionen Euro jährlich.

60 Millionen Euro mehr pro Jahr
Gemeinsames Jahresbudget
148 Mio. €
208 Mio. €
+40,5 %+60 Mio. €

Dieser Topf ist für alle ausgewählten Standorte gemeinsam gedacht: für die neuen und für die schon geförderten. Die Exzellenzcluster haben eine eigene Finanzierung. Ihre Mittel darf man bei diesem Vergleich nicht einfach dazurechnen.

Einzeluniversitäten konnten bis zu 15 Millionen Euro jährlich beantragen, Verbünde bis zu 28 Millionen Euro. Das sind Höchstbeträge für Anträge. Es sind keine festen Prämien, die jede ausgezeichnete Hochschule automatisch bekommt. Besonders bei Verbünden wäre es falsch, die gesamte mögliche Fördersumme jedem Mitglied noch einmal zuzuschreiben.

Die genaue Verteilung hat deshalb mehr mit den bewilligten Vorhaben zu tun als mit einer einfachen Rechnung nach Köpfen. Für eine Hochschule ist entscheidend, welche zusätzlichen Schritte sie mit der Zusage tatsächlich finanzieren kann. Der Name auf der Gewinnerliste sagt darüber noch nicht alles.

Warum die Gewinner trotzdem kürzer planen müssen

Zur guten Nachricht gehört eine Einschränkung. Fünf neue Standorte sind die größtmögliche Zahl in dieser Runde. Gleichzeitig haben fast alle Bewerber die möglichen Höchstsummen beantragt. Der gemeinsame Fördertopf reicht nicht aus, um alle diese Anträge in voller Höhe zu erfüllen.

Deshalb werden die beantragten jährlichen Summen für die kommenden sieben Jahre im Durchschnitt um rund 21 Prozent angepasst. Entscheidend ist das Wort „beantragt“. Es geht nicht pauschal um 21 Prozent weniger als bisher ausgezahlt. Und der Durchschnitt bedeutet nicht, dass jede Universität genau denselben Abschlag erhält.

Als einfaches Rechenbeispiel: Von einem Wunschbudget von 100 Euro blieben bei einem Abschlag von 21 Prozent 79 Euro übrig. Das erklärt den Prozentsatz. Es ist keine Berechnung der tatsächlichen Zusage an Mainz, Köln oder eine andere Hochschule. Für konkrete Maßnahmen zählen die jeweiligen Bewilligungen.

Auch ein Erfolg verlangt also Entscheidungen. Welche Vorhaben haben Vorrang? Was lässt sich sofort beginnen, was später? Solche Fragen werden durch den Titel nicht erledigt. Zusätzliche Förderung verbessert die Möglichkeiten einer Universität, aber die Hochschule muss daraus immer noch einen tragfähigen Plan machen.

Und was bringt das Menschen außerhalb der Universität?

Für die Hochschulen bedeutet planbare Förderung zunächst mehr Spielraum. Forschung braucht Zeit. Ein Team aufbauen, Geräte gemeinsam nutzen oder Nachwuchsforschende verlässlich begleiten lässt sich leichter organisieren, wenn die Finanzierung nicht jedes Jahr wieder völlig offen ist. Welche Maßnahmen umgesetzt werden, hängt von der jeweiligen Strategie ab.

Für Menschen in der Region liegen die möglichen Folgen oft weiter in der Zukunft. Aus Forschung können neue Behandlungsmethoden, technische Lösungen oder Kooperationen mit Unternehmen entstehen. Dafür gibt es aber keinen Automatismus. Nicht jedes Forschungsprojekt führt zu einem Produkt, und nicht jede interessante Idee wird schnell im Alltag nutzbar.

Auch deshalb sollte man aus der Auszeichnung keine feste Zahl neuer Arbeitsplätze ableiten. Der Titel ist eine Chance für den Standort. Ob daraus konkrete zusätzliche Jobs, neue Angebote oder bessere Versorgung werden, zeigt sich an den Vorhaben und ihren Ergebnissen. Eine Pressekonferenz kann diese Entwicklung nicht vorwegnehmen.

Für Städte und Regionen ist der Erfolg trotzdem relevant. Eine sichtbare Forschungslandschaft kann Fachleute und Kooperationspartner auf einen Standort aufmerksam machen. Bei einer Entscheidung zwischen verschiedenen Hochschulen zählen allerdings weiterhin die tatsächlichen Arbeitsbedingungen. Ein bekannter Titel hilft bei der ersten Orientierung. Er ersetzt kein gutes Umfeld.

Der Name wirkt auch ohne Überweisung

Universitäten konkurrieren international um Forschende, Ideen und Zusammenarbeit. Dabei kann ein gut sichtbarer Status helfen. Wer eine Hochschule aus dem Ausland noch nicht kennt, erkennt am Exzellenztitel zumindest, dass sie einen anspruchsvollen Auswahlprozess bestanden hat.

Für eine Universität ist das ein Argument in Bewerbungs- und Kooperationsgesprächen. Ob eine Forscherin oder ein Forscher wirklich kommt, hängt aber auch von Ausstattung, Team, wissenschaftlicher Freiheit und der persönlichen Situation ab. Anerkennung ist ein Vorteil. Sie lässt sich nicht wie eine zusätzliche Haushaltszeile exakt beziffern.

Gerade Verbünde wollen zudem gemeinsam sichtbarer werden. Frankfurt, Darmstadt und Mainz treten hier zusammen auf. Bochum und Dortmund ebenso. Eine solche Bewerbung kann die Zusammenarbeit enger machen, weil die Hochschulen Ziele und Prioritäten miteinander abstimmen müssen. Der Wettbewerb wirkt deshalb schon während der Vorbereitung, auch wenn am Ende nicht jeder Antrag gewinnt.

Auch dort, wo Anträge nicht erfolgreich waren, bleiben wertvolle Strategien, Kooperationen und Entwicklungsperspektiven bestehen.

Falko Mohrs, niedersächsischer Wissenschaftsminister

Was der Titel über ein Studium sagt

Wer einen Studienplatz sucht, sollte sich vom großen Namen nicht die gesamte Entscheidung abnehmen lassen. Der Exzellenzstatus bewertet keine einzelne Vorlesung und garantiert keinen Platz in einem beliebten Seminar. Ein sehr guter Studiengang kann auch an einer Hochschule ohne diesen Titel existieren.

Für die eigene Wahl sind oft konkretere Fragen hilfreicher: Passt das Fach? Wie ist das Studium aufgebaut? Welche Schwerpunkte gibt es? Wie gut lassen sich Lehrende erreichen? Und kann man sich das Leben am Studienort leisten? Der Titel kann ein zusätzlicher Hinweis auf das Forschungsumfeld sein. Die Antworten auf diese Alltagsfragen liefert er nicht.

Ein Abschluss aus Kiel, Würzburg, Hannover, Gießen oder Marburg wird durch diese Entscheidung nicht plötzlich weniger wert. Studierende behalten ihren Studiengang und ihre Prüfungsordnung. Die Absage betrifft den Antrag auf zusätzliche institutionelle Förderung, nicht die Gültigkeit eines Abschlusses.

Wird mein Abschluss ohne Exzellenztitel weniger wert?

Nein. Die Entscheidung betrifft zusätzliche Forschungsförderung und die Hochschulstrategie. Sie verändert weder die Gültigkeit eines Abschlusses noch bewertet sie jeden einzelnen Studiengang.

Bekommt Mainz den Titel allein?

Nein. Mainz gehört gemeinsam mit Frankfurt und Darmstadt zum erfolgreichen Verbund Rhein-Main-Universitäten. Ausgezeichnet wird ihr gemeinsamer Antrag.

Ist der Status jetzt für immer sicher?

Die Förderung ist langfristig angelegt und wird regelmäßig überprüft. Die neue Förderphase beginnt am 1. Januar 2027; eine aktuelle Zusage ist kein Freibrief für jede spätere Runde.

Wer schon vorher dabei war

Die Entscheidung vom 2. Oktober betrifft die neuen Bewerbungen. Schon im März waren zehn bestehende Förderfälle für eine weitere Förderung bestätigt worden. Dazu gehören neun Einzeluniversitäten und die Berlin University Alliance als Verbund.

Die Einzeluniversitäten sind RWTH Aachen, Universität Bonn, Technische Universität Dresden, Universität Hamburg, Universität Heidelberg, Karlsruher Institut für Technologie, Universität Tübingen, Ludwig-Maximilians-Universität München und Technische Universität München. In der Berlin University Alliance arbeiten Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin und Technische Universität Berlin zusammen.

Mit den jetzt ausgewählten Bewerbungen werden ab Januar insgesamt 15 Standorte gefördert. Dahinter stehen 20 Universitäten. Wer nach einer vollständigen Hochschulliste sucht, muss deshalb auch diese bereits bestätigten Standorte berücksichtigen. Hamburg, Dresden oder München fehlen nicht, nur weil sie in der Oktober-Liste der neuen Zusagen nicht noch einmal stehen.

Für Mainz bleibt die Nachricht ein Erfolg im Verbund. Für Gießen und Marburg bleibt die ausbleibende Zusage eine Enttäuschung, ohne dass damit ihre Forschung abgewertet wäre. Genau dieser Unterschied ist beim Exzellenztitel wichtig: Er bringt zusätzliches Geld und sichtbare Anerkennung. Er ist aber kein endgültiges Urteil darüber, an welcher Universität gute Arbeit geleistet wird.

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