Sudan: Warum zwei Armeen um die Macht kämpfen

Wer kämpft im Sudan, und warum? Ein Überblick über die Armee, die RSF, den gescheiterten Weg zur Demokratie und die Folgen für Millionen Menschen.

Von Herold Deutschland3 Min. Lesezeit
Die Tuti-Brücke in Khartum während des Baus. Archivaufnahme vom November 2008.

Die Tuti-Brücke in Khartum während des Baus. Archivaufnahme vom November 2008.© Bertramz https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Bertramz · Tuti suspension bridge.jpg · CC BY 3.0 · https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/ · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tuti_suspension_bridge.jpg · Zuschnitt 16:9; verkleinert

Die Tuti-Brücke in Khartum während des Baus. Archivaufnahme vom November 2008.© Bertramz · CC BY 3.0 · zugeschnitten, verkleinert · Bildinfos

Im Sudan kämpfen zwei bewaffnete Machtzentren gegeneinander, die das Land früher gemeinsam beherrschten. Auf der einen Seite steht die reguläre Armee, auf der anderen stehen die Rapid Support Forces, kurz RSF. Seit dem 15. April 2023 tragen sie ihren Machtkampf offen mit Waffen aus. Die Bevölkerung zahlt dafür einen verheerenden Preis: Viele Menschen verlieren ihr Zuhause, ihre Versorgung und ihre Sicherheit.

Wer sind die beiden Gegner?

Die sudanesische Armee wird von Abdel Fattah al-Burhan geführt. Ihr gegenüber stehen die RSF unter Mohamed Hamdan Dagalo, der auch Hemedti genannt wird. Die RSF sind keine kleine bewaffnete Gruppe außerhalb des Staates. Sie entwickelten sich zu einer mächtigen Truppe mit eigenen Kommandostrukturen und wirtschaftlichen Interessen.

Ihre Wurzeln liegen in den Janjaweed-Milizen, die im Darfur-Konflikt schwere Gewalt gegen die Bevölkerung verübten. Daraus entstanden später die staatlich eingebundenen RSF. Dass neben der Armee eine zweite starke Truppe bestehen blieb, wurde zu einem Kernproblem des politischen Übergangs.

Wie die Hoffnung auf Demokratie scheiterte

2019 endete nach großen Protesten die jahrzehntelange Herrschaft von Omar al-Baschir. Viele Menschen wollten eine zivile Regierung und mehr politische Freiheit. Es entstand eine Übergangsordnung, in der zivile Politiker und Militärs Macht teilten. Sie sollte den Weg zu einer anderen politischen Zukunft öffnen.

Im Oktober 2021 stürzte das Militär die zivile Übergangsregierung. Al-Burhan und Hemedti standen damals noch auf derselben Seite. Der Machtwechsel brachte den demokratischen Übergang zum Stillstand. Aus Partnern bei der Machtsicherung wurden später Rivalen um die Führung des Landes.

Warum der Streit zum Krieg wurde

Zu den entscheidenden Streitfragen gehörte die Eingliederung der RSF in die reguläre Armee. Dahinter stand eine einfache, aber existenzielle Machtfrage: Wer kommandiert die bewaffneten Kräfte, und wer muss seine selbstständige Stellung aufgeben? Es ging zugleich um politischen Einfluss und wirtschaftliche Macht.

Der Konflikt lässt sich deshalb nicht als bloßer persönlicher Streit zweier Generäle erklären. Der sudanesische Staat war lange von militärischer Herrschaft geprägt. Regionen außerhalb des Machtzentrums um Khartum wurden politisch und wirtschaftlich benachteiligt. Frühere Kriege und Milizstrukturen hatten die Gesellschaft zusätzlich zerrissen.

Ist das derselbe Krieg wie der frühere Konflikt mit dem Südsudan?

Nein. Der Südsudan wurde 2011 ein eigener Staat. Der heutige Krieg zwischen der sudanesischen Armee und den RSF begann 2023 im Sudan. Die Geschichte der früheren Nord-Süd-Kriege gehört zur Vorgeschichte der Region, ist aber nicht mit diesem Krieg gleichzusetzen.

Warum Darfur besonders verletzlich ist

Darfur liegt im Westen des Sudan. Dort eskalierte bereits ab 2003 ein Krieg, bei dem Regierungstruppen und Milizen massive Gewalt gegen Zivilisten ausübten. Vertreibung, ungelöste Landfragen und die Benachteiligung von Bevölkerungsgruppen verschwanden danach nicht. Der neue Krieg traf auf diese alten Wunden.

Die UN mahnten schon 2023, dass Armee und RSF die Bevölkerung schützen müssen. Frühere Verbrechen und neue Vorwürfe müssen einzeln untersucht werden. Eine Zugehörigkeit zu einer Bevölkerungsgruppe darf weder als Kriegsgrund noch als Rechtfertigung für Gewalt gegen Zivilisten dienen.

Wie Krieg zu Hunger führt

Hunger entsteht nicht nur, wenn auf einem Feld zu wenig wächst. Kämpfe können Menschen von ihren Feldern vertreiben, Märkte unterbrechen und die Lieferung von Lebensmitteln verhindern. Wer Einkommen und Besitz verliert, kann Nahrung außerdem oft nicht mehr bezahlen. Schlechte Regenfälle können die Lage zusätzlich verschärfen.

Das Frühwarnnetz FEWS NET warnt in seiner Prognose für 2026 bis Anfang 2027 vor anhaltender schwerer Ernährungsunsicherheit und dem Risiko einer Hungersnot in besonders betroffenen Gebieten. Das ist eine Warnung über mögliche Entwicklungen unter bestimmten Bedingungen. Sie darf nicht als bereits bestätigte Hungersnot im gesamten Land dargestellt werden.

Wie gefährlich selbst die Versorgung ist, zeigt eine WFP-Mitteilung zum 3. Oktober 2026: Zwei beauftragte Lebensmitteltransporter wurden in Süd-Kordofan aus der Luft angegriffen; ein Fahrer wurde getötet. Hilfe muss nicht nur vorhanden sein, sie muss auch sicher ankommen können.

Was wäre ein erster Schritt aus der Krise?

Eine eingehaltene Waffenruhe, Schutz für Zivilisten und sicherer Zugang für Hilfslieferungen könnten die unmittelbare Not lindern. Ein dauerhafter Frieden müsste darüber hinaus die Macht der bewaffneten Gruppen, politische Beteiligung und die Interessen benachteiligter Regionen regeln. Ein einzelnes Treffen allein löst diese Fragen nicht.

Hunger und fehlende Medikamente: Familien im Sudan brauchen Hilfe

Die aktuelle Meldung

https://west-bote.de/herold-deutschland/hunger-und-fehlende-medikamente-familien-im-sudan-brauchen-hilfe

Eigene Anzeige

Hier könnten Ihre Neuigkeiten stehen

Erreichen Sie Leserinnen und Leser in ganz Deutschland, transparent als Anzeige gekennzeichnet.

Jetzt anfragen→

Hat dir der Artikel geholfen? Teile ihn gern:

Quellen & Infos

Quellen

×

Änderungsverlauf

Artikel wurde veröffentlicht