Stromerzeugung und Netzeinspeisung in Deutschland: Anteil der Erneuerbaren wächst

Deutschland erzeugte im 1. Halbjahr 2026 rund 230,6 Mrd. kWh Strom; erneuerbare Quellen lieferten 59,1%. Wind legte deutlich zu.

Von Herold Team3 Min. Lesezeit

Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland 230,6 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt und in das Netz eingespeist. Das waren nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes 4,5 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025 mit 220,7 Milliarden Kilowattstunden.

Besonders deutlich legte die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu. Sie stieg im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um 6,5 Prozent auf 136,4 Milliarden Kilowattstunden. Damit stammten 59,1 Prozent des gesamten inländisch produzierten Stroms aus erneuerbaren Quellen, nach 58,0 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Die Stromerzeugung aus konventionellen Energieträgern erhöhte sich um 1,7 Prozent auf 94,2 Milliarden Kilowattstunden. Ihr Anteil an der inländischen Stromproduktion sank wegen der höheren Gesamtstromerzeugung auf 40,9 Prozent, nach 42,0 Prozent im ersten Halbjahr 2025.

Windkraft bleibt wichtigste Energiequelle

Die Stromproduktion aus Windkraft stieg im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um 12,3 Prozent auf 67,7 Milliarden Kilowattstunden. Ihr Anteil an der gesamten inländischen Stromerzeugung und Einspeisung erhöhte sich auf 29,4 Prozent, nach 27,3 Prozent im Vorjahreszeitraum. Damit blieb Windkraft die wichtigste Energiequelle.

Das Statistische Bundesamt verweist dabei auf ein außergewöhnlich windarmes erstes Quartal 2025. Im langfristigen Vergleich war die Stromerzeugung aus Windkraft im ersten Halbjahr 2026 jedoch durchschnittlich.

Auch die Stromproduktion aus Photovoltaik nahm zu. Sie erhöhte sich um 3,5 Prozent auf 41,0 Milliarden Kilowattstunden. Mit 17,8 Prozent der gesamten Strommenge blieb Photovoltaik die drittwichtigste Energiequelle.

Die in Kohlekraftwerken erzeugte Strommenge sank leicht um 0,5 Prozent auf 49,4 Milliarden Kilowattstunden. Kohle blieb dennoch der zweitwichtigste Energieträger mit einem Anteil von 21,4 Prozent. Die Stromerzeugung aus Erdgas legte um 6,4 Prozent auf 38,0 Milliarden Kilowattstunden zu. Erdgas kam damit auf 16,5 Prozent und blieb der viertwichtigste Energieträger.

Weniger Stromimporte, mehr Exporte

Die nach Deutschland importierte Strommenge sank im ersten Halbjahr 2026 um 8,7 Prozent auf 34,5 Milliarden Kilowattstunden. Die exportierte Strommenge stieg gleichzeitig um 14,9 Prozent auf 33,9 Milliarden Kilowattstunden. Damit wurden 0,6 Milliarden Kilowattstunden mehr Strom importiert als exportiert. Im ersten Halbjahr 2025 hatte der Importüberschuss noch 8,3 Milliarden Kilowattstunden betragen.

Zusammen mit der höheren inländischen Produktion führte das zu einem leichten Anstieg der in Deutschland verfügbaren und nachgefragten Strommenge um 1,0 Prozent von 229,0 Milliarden Kilowattstunden im ersten Halbjahr 2025 auf 231,2 Milliarden Kilowattstunden im ersten Halbjahr 2026.

Langfristiger Wandel im Energiemix

Im langfristigen Trend zeigt sich laut Statistischem Bundesamt ein deutlicher Wandel in der inländischen Stromerzeugung. Während bis 2022 konventionelle Energieträger dominierten, wurde seit 2023 mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt. Im ersten Halbjahr 2026 wurde außer im Januar in allen Monaten mehr Strom aus erneuerbaren als aus konventionellen Energieträgern eingespeist.

Gegenüber dem ersten Halbjahr 2018, dem ersten Jahr der Erhebung, wurden im ersten Halbjahr 2026 gut ein Viertel mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt und ins Netz eingespeist. Die Stromerzeugung aus konventionellen Energiequellen ging im selben Zeitraum deutlich zurück. Im ersten Halbjahr 2018 waren noch 174,6 Milliarden Kilowattstunden aus fossilen Quellen eingespeist worden; im ersten Halbjahr 2026 waren es 94,2 Milliarden Kilowattstunden.

Methodische Hinweise und weitere Informationen

Erfasst werden in der Statistik alle Kraftwerke und Erzeugungsanlagen in Deutschland, die Strom in das Netz für die allgemeine Versorgung einspeisen. Nicht enthalten ist etwa Strom, der in Industriekraftwerken erzeugt und direkt in den Betrieben verbraucht wird, oder Strom aus Photovoltaik-Anlagen privater Haushalte, der im Haushalt selbst genutzt wird.

Die im Inland erzeugte und ins Netz eingespeiste Strommenge ist nicht gleichzusetzen mit dem Stromverbrauch, da auf dem Weg zu den Verbrauchsstellen Netzverluste auftreten und der Saldo aus Stromimporten und -exporten berücksichtigt werden muss.

Weitere methodische Hinweise und Ergebnisse nennt das Statistische Bundesamt auf der Themenseite „Energieerzeugung“. Daten zur Monatserhebung über die Stromein- und -ausspeisung bei Netzbetreibern sind in der Datenbank GENESIS-Online in der Tabelle stromeinspeisende Anlagen (43312-0001) abrufbar. Außerdem verweist Destatis auf das Erklärvideo „Woher kommt unser Strom?“ sowie auf das Dashboard Konjunktur.

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