ver.di fordert Entgelterhöhungen im Einzelhandel in Hessen und Nordrhein-Westfalen
Mit dem Ende der Schulferien in mehreren Bundesländern werden in der kommenden Woche die Tarifverhandlungen im Einzelhandel in Hessen und Nordrhein-Westfalen fortgesetzt. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di fordert die Arbeitgeber auf, die Gespräche mit tabellenwirksamen Entgelterhöhungen für alle Beschäftigtengruppen voranzubringen und bei den unteren Lohngruppen nicht beim gesetzlichen Mindestlohn stehen zu bleiben.
ver.di-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer, zuständig für den Handel, erklärte, es sei nicht nachvollziehbar, dass die Arbeitgeber bislang einen Tarifabschluss mit einem rentenfesten Mindeststundenlohn von 14,90 Euro verweigerten. Dies sei aus Sicht der Gewerkschaft respektlos, ohne Wertschätzung und inakzeptabel. Zugleich verwies ver.di darauf, dass es im Einzelhandel bereits Arbeitgeber gebe, die Stundenlöhne deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn zahlten, etwa Lidl und Aldi.
Forderung nach 14,90 Euro Mindeststundenentgelt
ver.di fordert ein rentenfestes Mindeststundenentgelt von 14,90 Euro sowie tabellenwirksame Entgelterhöhungen. Nach Darstellung der Gewerkschaft sind insbesondere die unteren Entgeltgruppen von den steigenden Preisen betroffen, weil sie den überwiegenden Anteil ihres Einkommens für Miete, Energie und Lebensmittel ausgeben.
Besonders kritisch sieht ver.di, dass junge Beschäftigte mit erfolgreich abgeschlossener Berufsausbildung in einigen Tarifbezirken nach den derzeitigen Angeboten der Arbeitgeber lediglich den gesetzlichen Mindestlohn erhalten würden. Zimmer bezeichnete es als Skandal, wenn Beschäftigte mit abgeschlossener Berufsausbildung als Verkäuferin oder Verkäufer in einigen Tarifbezirken nicht mehr als den gesetzlichen Mindestlohn bekommen sollen. Ein erfolgreicher Berufsabschluss im Einzelhandel verdiene echte Wertschätzung.
Nach Angaben von ver.di gefährden die Arbeitgeber mit einem ausbleibenden überproportionalen Tarifplus für diese Beschäftigtengruppe die Zukunft und Attraktivität der Branche.
Verhandlungen in Hessen und Nordrhein-Westfalen
ver.di erklärte, in allen Tarifbezirken jederzeit gesprächs- und verhandlungsbereit zu sein. Ziel bleibe ein zügiger Tarifabschluss für den Einzelhandel, der sich am Ergebnis im Groß- und Außenhandel orientiere. Dafür gebe es in der kommenden Woche gleich mehrere Chancen: am Montag in Hessen und am Mittwoch in Nordrhein-Westfalen.
Die Gewerkschaft kündigte zugleich an, die Erwartungen der Beschäftigten weiterhin bundesweit in Warnstreiks deutlich zu machen. Die Arbeitgeber müssten in allen Tarifbezirken an den Verhandlungstisch zurückkehren und ihrer sozialen Verantwortung nachkommen. Wenn die Arbeitgeber weiter Hindernisse aufbauten und die Lebensrealität ihrer Beschäftigten ignorierten, werde ver.di die Proteste ausweiten und die Streiks intensivieren. Die Tarifbewegung wachse täglich mit neuen Gesichtern und Aktiven in immer mehr Betrieben.
Eckdaten aus der Mitteilung
- Der Handel macht in Deutschland 2,17 Billionen Euro Gesamtumsatz, davon 823 Milliarden Euro im Einzelhandel und 1,35 Billionen Euro im Groß- und Außenhandel.
- 82,9 Milliarden Euro davon sind reiner Gewinn, davon 25 Milliarden Euro im Einzelhandel und 57,9 Milliarden Euro im Groß- und Außenhandel.
- Eine Kauffrau oder ein Kaufmann im Einzelhandel verdient ab dem 6. Berufsjahr derzeit rund 3.219 Euro brutto; das Beispiel bezieht sich auf Nordrhein-Westfalen.
- Eine Kauffrau oder ein Kaufmann im Groß- und Außenhandel verdient ab dem 7. Tätigkeitsjahr 3.394 Euro brutto; auch dieses Beispiel bezieht sich auf Nordrhein-Westfalen.
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